Umwelt

Alpwirtschaft

Während andernorts die Älpler mit ihrem Vieh meist den ganzen Sommer über auf der gleichen Alp weilen, ziehen im unteren Kantonsteil die Bauern – samt ihren Familien – wie Nomaden von einem Stafel zum andern.

Auf dem Urnerboden, der grössten Alp der Schweiz, zum Beispiel dauert die Alpzeit in der Regel von Mitte Juni an vierzehn Wochen: vier Wochen im Frühsommer verbringen die rund 50 Älpler mit 1200 Kühen auf dem Urnerboden, sieben Wochen im Hochsommer auf den sechzehn Oberstäfeln und drei Wochen im Herbst wiederum unten auf dem Urnerboden. Viermal wechseln also die Älpler und ihre Familien den Wohnort.

Für jede Alp haben die Alpgenossen einen Alpvogt zu bestimmen. Dieser wird in der Regel für zwei Jahre gewählt. Er ist dafür verantwortlich, dass die für jede Alp eigens erstellte Ordnung eingehalten wird. Immer im Frühling, vor dem Alpaufzug, werden die noch nicht vereidigten Alpvögte zum traditionellen Schwur aufgeboten. Bei brennenden Kerzen und vor einem Kruzifix geloben sie, ihren Pflichten nachzukommen und allfällige Vergehen anzuzeigen. Die Älpler treffen sich jeweils zum «Alp Mehren». Dort wird der Termin des Alpaufzugs bestimmt. Am St.-Gallustag, dem 16. Oktober, müssen sie dann spätestens wieder von den Alpen zurück sein.

In den vergangenen Jahren haben rund 5700 Stück Vieh den Sommer auf einer der 64 Alpen der Korporation Uri verbracht. Zu ihnen gesellten sich etwa 8500 Schafe und 1000 Ziegen.

Alpen und Weiden

Rund ein Drittel der Oberfläche des Kantons Uri wird als Alpweiden für Rind- und Schmalvieh benutzt. Diese wiederum gehören zum allergrössten Teil den Korporationen. Die Alpen sind das eigentliche Rückgrat der urnerischen Landwirtschaft. Ohne Alpwirtschaft könnten viele Landwirtschaftsbetriebe im Kanton Uri gar nicht existieren.

Auf den Alpen der Korporation Uri darf nur alpen, wer Korporationsbürger ist und über ein Alprecht verfügt. Dieses kann verkauft, vererbt oder unter bestimmten Auflagen an Korporationsbürger verpachtet werden. Im Gegensatz zum Grund und Boden sind die Gebäude Privateigentum des Älplers – das notwendige Land wird von der Korporation jeweils im Baurecht abgegeben. Die Bestossung der Alpen ist genau geregelt.

Alpwiesen

Wiesen im allgemeinen, besonders aber Alpwiesen, sind von einer regelmässigen landwirtschaftlichen Nutzung und Pflege abhängig. Je nach Boden, Klima und Bewirtschaftungsart haben sich die artenreichen Blumen-, Trocken- oder Magerwiesen entwickelt. Diese zum Teil im Inventar von nationaler Bedeutung erfassten Wiesen sind ein wichtiger Bestandteil einer intakten Landschaft und ein Hinweis auf eine an­­gepasste Nutzung.

Bedeutende Landschaft

Das Maderanertal bildet mit seinen Seitentälern und dem Fellital eine Landschaft von nationaler Bedeutung. In diesem Gebiet sind einige selten gewordene Tier- und Pflanzenarten zu finden.

Biodiversität

Wo die Natur in der Schweiz sich selbst überlassen bleibt, wächst meist Wald. Wo aber die Landwirtschaft Offenland mit Kleinstrukturen schafft, entwickelt sich eine grosse Vielfalt an Pflanzen- und Tierarten. Allerdings geht diese Biodiversität bei zu intensiver Nutzung wieder zurück. Dies trifft auch bei der Alpwirtschaft zu.