Traditionen

Betruf auf Urner Alpen

Der Betruf gehört noch heute auf den meisten Urner Alpen zur liebevoll gepflegten Tradition. Jeden Abend ruft ein Älpler den einstimmigen Sprechgesang in einem mundartlich gefärbten Hochdeutsch durch die Volle, einen hölzernen Milchtrichter. Text und Melodie sind von Alp zu Alp verschieden. Der Betrufer bittet jeweils Gott, die Gottesmutter Maria, Jesus, den Heiligen Geist und ausgewählte Heilige um Schutz für alle Lebewesen auf der Alp. Der Älpler muss von einer Anhöhe aus möglichst laut rufen: So weit wie seine Stimme reicht, soll auch der Schutzbann gehen. Der Betruf auf der Alp erklingt bis zum letzten Alptag und bei jedem Wetter.

Der Betruf von der Alp Spilauseeli

Der Betruf der Familie Furrer-Gisler von der Alp Spilauseeli wurde erst im Jahr 1995 schriftlich festgehalten. Zuvor wurde er über mehrere Generationen vom Vater zum Sohn weitergegeben.

Jeden Abend nach getaner Arbeit bittet der Älpler von einer Anhöhe aus Gott und verschiedene Heilige um den Schutz in der kommenden Nacht für alle Lebewesen auf der Alp:

«O’ lobet zu lobä, all Schritt und Tritt in Gottes Namä lobä.

All hiä üf derä Alp isch ä goldenä Ring, da wohnt diä liäb Muätter Gottis mit ihrem Herz allerliäbschtä Chind.

Ave Mariä, Ave Mariä, Jesus, Jesus Christ, oh du mein Herz allerliäbschtä Herr Jesus Christ, behiäti und bewahre allis, was auf derä Alp isch und zur Alp gherä tuät.

Das walti Gott und diä liäb Muätter Gottis.

Das walti Gott und dr heilig Josef,

diä wellit is zur Hilf und zum Troscht cho üf iserem Totäbett.

Das walti Gott und dr heilig Santä Toni.

Das walti Gott und dr heilig Sankt Wendelin,

diä wend is behiätä und bewahrä isers liäbi Veeh.

Das walti Gott und dr heilig Johannes.

Das walti Gott und dr liäb heilig Bruäder Chläus.

Das walti Gott und dr heilig Michael,

denä empfälit miär is al a mit Liib und Seel.

Das walti Gott und dr heilig Sankt Jakob,

der well is zunärä glickhaftä Nacht härbrig haltä.

Das walti Gott und dr heilig Sankt Galli,

diä und diä anderä üserwähltä Gottis alli,

erlescht wohlt all Fiir und Liächt, damit Gott und Maria wohl behiät.

Das walti Gott und diä heilig hoch Drifaltikeit,

Gott Vater, Gott Sohn und Gott heiligä Geischt.

Das walti Gott und das liäb heilig Chriz.

Gelobt sei Jesus Christ.»

Zu jedem Alpsegen gehört am Schluss ein Jauchzer: «Juuhuujuiuhuuuiiiuuhhh!»

Sennenchilbi

Jedes Jahr am zweiten Sonntag des Oktobers ist in Bürglen Sennenchilbi – eine Art Erntedankfest. Der Sennensonntag beginnt mit einem feierlichen Gottesdienst in der Pfarrkirche. Die Sennenbeamten in alter Tracht danken im Namen der Bruderschaft für Gottes Schutz und Segen im vergangenen Sommer. Sie werden von den von ihnen selber erwählten «Sennenjungfern» begleitet.

Beim anschliessenden Fahnenschwingen auf dem Kirchplatz zeigen zuerst der Fähnrich und dann die übrigen Sennenbeamten sowie der Sennenvater ihre Künste. Anschliessend werden auch Leute aus dem Volk zum Fahnenschwingen aufgeboten. In der nachmittäglichen Vesper wird in der Kirche und anschliessend auf dem Friedhof der Verstorbenen gedacht. Die Sennenbeamten und der Sennenvater tragen dabei grosse, brennende Kerzen. Die Sennenfahne wird über die Gräber geschwenkt. Es folgen folkloristische Darbietungen auf dem Schulhausplatz.

Am Sennenmontag wird das feierliche Jahrzeit der Bruderschaft für die verstorbenen Mitglieder gehalten. Jedes Kind, das an diesem Tage den Gottesdienst besucht, erhält nach altem Brauch ein Pfund Brot. Nach dem Jahrzeit folgt das Sennenmahl und am Nachmittag der Ausflug ins Schächental. In den Gaststätten herrscht Chilbitanz bis in die Morgenstunden, und es werden Chilbi- und Wildspezialitäten serviert. Die ehemals strengen Tanzvorschriften mit Tanzverbot am Sonntag hinterliessen dauerhafte Spuren, indem am Montag noch kräftig das Tanzbein geschwungen und «beedelet» wird.

Wildheuen

Bis tief ins Mittelalter zurück reicht die Regelung des Wildheuens. Um Mitte Juli wird meist damit begonnen. Jeder Korporationsbürger ist dann berechtigt, in den Grasbändern und an den steilen Hängen über den Weiden, die der Korporation gehören, so viel Wildheu zu sammeln, wie er will. In mühevoller, körperlich anstrengender und oft gefährlicher Arbeit beschafft sich der Urner Bauer so zusätzliches Futter für seine Tiere.

Das Wildheuen an den steilen Berghängen birgt für die Bergbauern jedoch einige Gefahren. Zumeist sind sie in den sonnigen Berghängen der Hitze ausgesetzt. Ausserdem kann Steinschlag und ein plötzlicher Wetterumschlag die Wildheuer in Schwierigkeiten bringen. Eine absolute Trittfestigkeit und eine gute Kondition ist die Voraussetzung bei dieser Tätigkeit.

Das Bewirtschaften der Alpwiesen unterstützt die Artenvielfalt. Wiesen, die mehrere Jahre nicht bewirtschaftet werden, vergrasen. Die Vielfalt der Pflanzenarten und mit ihnen der Insektenarten nimmt mit der Zeit ab. Zudem breiten sich Buschwerk und Wald auf diesen Flächen aus. Der Kanton Uri hat den ökologischen und touristischen Nutzen des Wildheuens erkannt. Mit einem Förderprogramm unterstützt er zusammen mit dem Bund das Wildheuen und bietet auch spezielle Workshops an. An den Hängen des Rophaiens oberhalb Flüelen gibts einen Wildheu-Erlebnispfad. Dieser startet bei der Bergstation Eggberge und endet nach einer zirka vierstündigen Wanderung bei der Bergstation Ober Axen. Die Erlebnisstationen sind mit Klapptafeln und hölzernen Bodenpunkten ausgestattet. Weitere Infos: www.uri.info.

«I d Beeri ga» für ein feines Dessert

Das Sammeln von Heidelbeeren hat in Uri eine lange Tradition und ist auch heute noch sehr beliebt. Ganz eifrige Beerensammler benutzen dazu ein kammartiges Werkzeug, mit dem sich die blauen Früchte mit einiger Übung leicht von den Stauden streifen lassen. Auf Wanderungen trifft man im Herbst ohne Weiteres auf ganze Heidelbeerfelder, die zum willkommenen Dessert einladen. Das Sammeln von Heidelbeeren ist in Uri grundsätzlich frei.


Weitere interessante Informationen zu den Urner Brauchtümern finden Sie hier: www.brauchtum-uri.ch.